Fachanwältin für Erbrecht Frau Dr. Dörr informiert über häufige Irrtümer im Erbrecht 10 IRRTÜMER IM ERBRECHT 1. Ein computergeschriebenes Testament muss man nur noch unterschreiben Falsch.   Leider   passiert   es   immer   wieder,   dass   Testamente   -   gutgemeint   wegen   der   besseren Lesbarkeit   -   auf   dem   Computer   getippt,   ausgedruckt   und   dann   nur   noch   unterschrieben werden.    Die    sind    dann    unwirksam!    Privatschriftliche    Testamente    müssen    grundsätzlich vollständig   von   Hand   geschrieben   und   unterschrieben   sein.   Ausnahme   ist   das   notarielle Testament. 2. "Vermachen" ist das gleiche wie "erben" Nein.   "Vermachen"   kann   man   nur   einzelne   Gegenstände,   wie   z.   B.   eine   Uhr,   nicht   aber   den gesamten   Nachlass.   Wer   "erbt"   wird   dagegen   Rechtsnachfolger   des   Erblassers   mit   allen Rechten und Pflichten und tritt sozusagen in dessen Fußstapfen. 3. Kinderlose Ehepaare erben gegenseitig alles Irrtum.   Wurde   keine   letztwillige   Verfügung   von   Todes   wegen   errichtet,   gilt   die   gesetzliche Erbfolge.   Sind   keine   Kinder   vorhanden,   erbt   neben   dem   Ehegatten,   der   ¾   bekommt,   auch die   Eltern   zu   ¼.   Will   man   etwas   anderes   regeln,   sollte   man   dringend   testieren.   Die   meisten Menschen     sterben     allerdings     ohne     ihre     Hinterlassenschaft     zu     regeln     und     von     den tatsächlich   hinterlassenen   Testamenten   sind   viele   unwirksam   oder   so   unklar,   dass   es   zu Streitigkeiten zwischen den Hinterbliebenen kommt. 4. Die Lebensversicherung bekommt immer der Erbe Das     stimmt     nicht     zwingend.     Denn     entscheidend     ist     die     Bezugsberechtigung.     Wer bezugsberechtigt   ist,   kann   sich   die   Lebensversicherung   auszahlen   lassen   und   diese   fällt   dann nicht    in    den    Nachlass.    Der    Rückkaufswert    der    Lebensversicherung    kann    aber    trotzdem ausgleichspflichtig sein. 5. Wer enterbt ist, bekommt gar nichts Nicht   unbedingt.   Denn   je   nachdem   wen   ich   enterbe,   bestehen   evtl.   Pflichtteilsansprüche.   So haben   z.   B.   Kinder   oder   Ehegatten   dann   einen   Anspruch   auf   die   Hälfte   ihres   gesetzlichen Erbteils,    unter    Umständen    auch    Eltern    oder    Enkel.    Geschwister    bekommen    übrigens grundsätzlich keinen Pflichtteil. 6. Nichteheliche Kinder erben nichts Falsch.   Nichteheliche   Kinder   erben   nach   der   gesetzlichen   Erbfolge   zu   gleichen   Teilen   wie eheliche     Kinder.     Nicht     leibliche     Stiefkinder     erben     allerdings     nichts.     Insbesondere Patchworkfamilien sollten sich deshalb vor der Testamentserrichtung beraten lassen. 7. Es wird nur das verteilt, was beim Tod noch da ist Irrtum.   Selbst   wenn   der   Erblasser   vor   seinem   Tod   Vermögen   verschenkt   hat,   so   ist   dies unter Umständen doch ausgleichspflichtig im Rahmen von sogenannten Pflichtteilsergänzungsansprüchen, die gegen den Beschenkten bestehen können. 8. Für Schulden im Nachlass muss der Erbe nicht aufkommen Doch.    Der    Erbe    bekommt    nicht    nur    das    ganze    Vermögen,    sondern    haftet    auch    für    die Schulden   des   Erblassers   -   und   zwar   grundsätzlich   mit   seinem   Privatvermögen!   Umgehen kann man dies nur durch Ausschlagung oder besondere Haftungsbegrenzungsmaßnahmen. 9. Für deutsche Staatsangehörige gilt immer deutsches Erbrecht Nein.   Seit   dem   17.   August   2015   gilt   die   EU-Erbrechtsverordnung,   wonach   der   gewöhnliche Aufenthalt    des    Verstorbenen    darüber    entscheidet,    welches    Recht    Anwendung    findet    - unabhängig   von   der   Staatsangehörigkeit.   Wer   seinen   Ruhestand   im   Ausland   verbringen   will, sollte   deshalb   unbedingt   testamentarisch   eine   Rechstwahl   treffen.   So   ist   z.   B.   in   einigen Ländern   das   gemeinschaftliche   Testament   mit   dem   Ehegatten   -   anders   als   in   Deutschland   - unzulässig und dann unwirksam. 10.  Mein Lebengefährte muss genausoviel Erbschaftssteuer zahlen wie ein Ehegatte Falsch.    Die    Erbschaftssteuerfreibeträge    unterscheiden    sich    hier    erheblich    und    betragen beim   Ehegatten   und   bei   eingetragenen   gleichgeschlechtlichen   Lebenspartnern   500.000   €, bei   Kindern   400.000   €   und   bei   sonstigen,   also   auch   bei   nichtehelichen   Lebensgefährten, lediglich 20.000 €. Alles was darüber hinaus erworben wurde, muss versteuert werden. Wenn   man   an   einen   oder   mehrere   dieser   Rechtsirrtümer   geglaubt   hat,   merkt   man   schnell wie wichtig fachkundiger Rat im Erbrecht ist.
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